Die Wiedergeburt des VJ

Ein Beitrag zum Thema, der sich im aktuellen MediumMagazin finden lässt:

Wiedergeburt des VJ 

Von Matthias B. Krause

New York im September. Nun hat es mich also doch erwischt. Ich erinnere mich noch genau an meine wehleidigen Blicke für die Kollegen, die sich im neuen Metier des „VJ“ versuchten, des Videojournalisten. Der Gedanke, dass künftig jemand als Ein-Mann-Show produzieren sollte, wozu vorher ein Kameramann, ein Tonmann und ein Reporter notwendig waren, erschien mir einigermaßen absurd, ein Qualitätsverlust unabwendbar. Heute, zehn Jahre später, laufe ich genauso durch die Gegend. Videokamera in der Hand, Mikrofon in der Tasche, Stativ auf dem Rücken, Block und Schreiber griffbereit. Und es macht sogar Spaß.

In den USA begann die Revolution schon vor fast zwei Jahren, als die Verlage anfingen, ihren Redakteuren und Fotografen Videokameras in die Hand zu drücken. Der Erfolg von „YouTube“ überzeugte die Verleger über Nacht, dass ihre Zukunft an ihrer Fähigkeit hinge, bewegte Bilder ins Netz zu stellen. Mittlerweile machen „Washington Post“ und „New York Times“ vor, wie man im Internet Qualitätsjournalismus produzieren – und sich dabei ganz neue Dimensionen des Storytelling auftun. In Deutschland beginnen meine ersten Kunden, sich auch für Videostücke zu interessieren, obwohl bislang die Wünsche meistens größer sind als das Budget. Alte Weisheiten aber haben auch bei neuen Medien Gültigkeit: Qualität kostet Zeit und Zeit kostet Geld.

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