Die Zukunft der Tageszeitung II

November 21, 2007

Die Newspaper Association of America hat einen Blog gestartet, in dem sich 23 Autoren, die sie als „Big Thinker“ einstuft, Gedanken darüber machen, wie die Zunft in fünf bis zehn Jahren aussieht. Bislang habe ich nur Mindy McAdams Beitrag gelesen, deren Blog „teaching online journalism“ ich wie viele andere auch mit großer Begeisterung verfolge. Die Kurzfassung: Noch ist nicht alles verloren, meint die Journalismus-Professorin an der University of Florida, aber der Versuch, mit den großen Newsportalen zu konkurrieren und doch nur die hunderste Version derselben AP-Meldung abzudrucken, sei der falsche Weg. Stattdessen schlägt sie zum Beispiel vor:

No other content provider has as large a staff of news gatherers and editors as a newspaper newsroom. This asset should enable the local newspaper to differentiate its products from all those other entities. The newspaper’s staff of trained journalists makes it possible to do things – where you are – that no one else can do. First, because those others are not there – in your town, your state. Second, because they do not have your people.

(…)

Content and delivery are the two fundamental things that require our attention in journalism.

  1. What content can we deliver, with our people, from our newsrooms, that appeals to an audience that we can build and retain?
  2. How must we deliver it to make it irresistible to that audience?

Words to live by…


Die Zukunft der Tageszeitung I

November 10, 2007

In der aktuellen Columbia Journalism Review findet sich ein interessanter Beitrag darüber, wie The Atlanta Journal-Constitution sich auf das neue Internet-Zeitalter einstellt. Unter anderem mit einem radikalen Umbau der Redaktionsstruktur. Es wird mehr Wert auf Lokales gelegt, mehr auf aktuelle, schnelle Nachrichten aus der Region. Am meisten geschröpft wurde die Kulturredaktion, Filmrezensionen etwa gibt es nur noch aus der Agentur. Die frei gewordenen Ressourcen gehen ins Lokale, dem einzigen Bereich, in dem die Zeitung glaubt, sich noch von der Konkurrenz abzusetzen. Auch interessant: Obwohl die Printausgabe weiterhin Gewinne einfährt, wurde ihr Verbreitungsgebiet eingeschränkt, Subventionen für Abonnenten stellte der Verlag ein. Statt ein paar neue Print-Leser zu gewinnen, will er lieber die neue Internet-Generation auf seine Homepage locken. Der Nutzer danke es mit zweistelligen Zuwachsraten, sagt Herausgeber John Mellott, die Anzeigenplätze im Web seien ausverkauft. Interessante Strategie, die mir auch halbwegs konsequent erscheint. Die Mehrzahl der rund 400 Redakteure musste sich auf neue Stellen bewerben, nicht alle waren davon begeistert. Weitere Details im Original-Artikel, auf jeden Fall lesenswert. Ich werde ein Auge darauf haben, wie sich die Sache entwickelt.


Die Wiedergeburt des VJ

September 30, 2007

Ein Beitrag zum Thema, der sich im aktuellen MediumMagazin finden lässt:

Wiedergeburt des VJ 

Von Matthias B. Krause

New York im September. Nun hat es mich also doch erwischt. Ich erinnere mich noch genau an meine wehleidigen Blicke für die Kollegen, die sich im neuen Metier des „VJ“ versuchten, des Videojournalisten. Der Gedanke, dass künftig jemand als Ein-Mann-Show produzieren sollte, wozu vorher ein Kameramann, ein Tonmann und ein Reporter notwendig waren, erschien mir einigermaßen absurd, ein Qualitätsverlust unabwendbar. Heute, zehn Jahre später, laufe ich genauso durch die Gegend. Videokamera in der Hand, Mikrofon in der Tasche, Stativ auf dem Rücken, Block und Schreiber griffbereit. Und es macht sogar Spaß.

In den USA begann die Revolution schon vor fast zwei Jahren, als die Verlage anfingen, ihren Redakteuren und Fotografen Videokameras in die Hand zu drücken. Der Erfolg von „YouTube“ überzeugte die Verleger über Nacht, dass ihre Zukunft an ihrer Fähigkeit hinge, bewegte Bilder ins Netz zu stellen. Mittlerweile machen „Washington Post“ und „New York Times“ vor, wie man im Internet Qualitätsjournalismus produzieren – und sich dabei ganz neue Dimensionen des Storytelling auftun. In Deutschland beginnen meine ersten Kunden, sich auch für Videostücke zu interessieren, obwohl bislang die Wünsche meistens größer sind als das Budget. Alte Weisheiten aber haben auch bei neuen Medien Gültigkeit: Qualität kostet Zeit und Zeit kostet Geld.


stern.de

September 30, 2007

Gruner & Jahr arbeitet bekanntlich mit Hochdruck daran, den Boden gut zu machen, den der Medienkonzern in den vergangenen Jahren im Internet verloren hat. Eine Chance für alle Multimedia-Journalisten. Ich habe für die neue Sparte stern digitalTV ein Stück zum 11. September produziert:

Auf der Stern-Webseite sieht das dann so aus:

http://www.stern.de/politik/ausland/597371.html?nv=ct_mt

Weitere spannende Projekte sind in der Pipeline…


Noch ein Blogger…

September 30, 2007

Nun bin ich also auch unter die Blogger gegangen – und zum Start gibt es gleich ganz ungeniert eine Kostprobe der eigenen Arbeit. Seit einiger Zeit verfolge ich mit großem Interesse den rasanten Wandel, dem der Print-Journalismus in den USA unterliegt, den Einzug von Audio-Slideshows und Videos auf den Webseiten der Zeitungen und Magazine, die Versuche, im Internet neue Ausdrucksformen zu finden. Im Mai habe ich mich bei einen Workshop der National Press Photographers Association (NPPA) in Portland, Oregon mit der Produktion von Web-Videos vertraut gemacht. Film drehen, Final Cut Pro lernen, schneiden und präsentieren in vier Tagen, ziemlich anstrengend. Aber auch sehr spannend. Eine Reportagereise nach Columbus, Ohio über die US-Immobilienkrise wenig später habe ich dann gleich genutzt, um auch ein neues Stück zu drehen. Hier das Ergebnis, das in den nächsten Wochen bei CurrentTV, Al Gores Internet-Fernsehen zu sehen sein wird. Hat im Kabel immerhin vier Millionen Zuschauer, besser als nix.